| Die Zittauer Habsburg-Ausstellung - eine erste Retrospektive | |||||
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| (Auszug aus der Rede zur Abschlussveranstaltung am 4.11.2002 von Dr. Volker Dudeck, Direktor der Städtischen Museen Zittau) | ||||||
Die Ausstellung „WELT-MACHT-GEIST“. Das Haus Habsburg und die Oberlausitz 1526 bis 1635 hat nun nach sechs Monaten Laufzeit ihre Pforten geschlossen. Der Besucheransturm war in den letzten Tagen kaum noch zu bewältigen. Unsere Mitarbeiter haben Unglaubliches geleistet. Über 1.000 Gäste pro Tag waren keine Seltenheit. Nun steht die Zahl fest: 70.110 Besucher. Sie kamen aus der Oberlausitz, aus Sachsen und ganz Deutschland, aus Tschechien, Polen, Österreich, Ungarn, der Schweiz, den Niederlanden, aus Belgien, Frankreich, Spanien, Italien, Dänemark und Schweden, aber auch aus den USA, Kanada, Japan und Australien. Damit wurden die erhoffte und den Finanzierungsplänen zugrunde gelegte Zahl von 40 bis 50.000 weit überschritten - ohne jeden Zweifel ein glänzender Erfolg. Rund 40.000 Gäste nutzten zugleich die Gelegenheit, um sich auch das berühmte Große Zittauer Fastentuch anzuschauen. Was schließlich wird von dieser Ausstellung bleiben? Bleiben werden bessere Kenntnisse über die Geschichte der Oberlausitz, vor allem auch bei den Oberlausitzern selbst, über ein altes deutsches Markgraftum in der Mitte Europas mit einem besonders interessanten Nebeneinander von verschiedenen Nationen, Sprachen, Konfessionen und Kulturen. Bleiben wird das gewachsene Bewusstsein gemeinsamer historischer Wurzeln der Menschen hier in dieser europäischen Region. So kamen rund 7.000 Besucher, darunter viele junge Leute, aus den benachbarten Gebieten Tschechiens und Polens. 180 Schulklassen mit über 5.000 Schülern aus ganz Sachsen nutzen die museumspädagogischen Programme. Insgesamt waren 25 % der Besucher jünger als 20 Jahre - identitätsstiftend und wichtig gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten mit hoher Bevölkerungsfluktuation. Bleiben werden beachtliche Anstöße und Fortschritte für die historische Forschung über die Oberlausitz - beginnend mit dem Standardwerk „Geschichte der Oberlausitz“ von Joachim Bahlcke bis zur großen internationalen Historikerkonferenz im September in Bautzen. Der Ausstellungskatalog mit seinen qualitativ hochwertigen Aufsätzen und Abbildungen ist bisher über 2.000 mal verkauft worden. Bleiben wird der nach 25-jähriger Schließung endlich wieder als Museum nutzbare Heffterbau mit seiner auf 800 qm technisch komplett ausgestatteten Ausstellungsfläche. Zittau erwachsen daraus wesentlich bessere Möglichkeiten musealer Arbeit. Bleiben wird uns Museumsleuten die überaus lehrreiche Erfahrung, dass man sehr erfolgreich Ausstellungen machen kann, wenn man sie auf den entscheidenden Punkt zentriert: auf den Besucher. Diese Einsicht verdanken wir der Zusammenarbeit mit Frau Dr. Eva Marko aus Graz. Die ca. 7.000 befragten Besucher bewerteten die Ausstellung mit der Note 1,5. Was schätzten sie besonders: Höchste Qualität der Exponate und Ansprüche an die ästhetische Gestaltung, die Zauberkraft des Lichtes, die knappen inhaltsreichen Texte und dass durch die Erklärer die Ausstellung zu einem Ort der Kommunikation wurde. Bleiben werden auch vielfältige Erfahrungen hinsichtlich einer erfolgreichen, weil professionellen Kommunikations- und Marketingstrategie. So wurde der Etat nicht durch teure Anzeigenkampagnen verpulvert, sondern die Agentur setzte beispielsweise gezielt auf Journalistenreisen. Das Ergebnis sind rund 450 Veröffentlichungen in mehr als 100 deutschen, österreichischen, tschechischen, polnischen, ungarischen und Schweizer Zeitungen, die diesen Besucherstrom quer durch Mitteleuropa erzeugten. 25.000 mal wurden Informationen über unsere Habsburg-Internetseite bezogen. Bleiben wird schließlich auch der Nachweis, dass die Städtischen Museen Zittau ein nicht zu unterschätzender Faktor der Wirtschaftsförderung sind. Ohne zusätzliche Belastung des städtischen Haushalts ist mit dem Ausstellungs-Budget ein großer Teil der Aufträge an einheimische Firmen gegangen oder wurde in zeitlich begrenzte Arbeitsplätze investiert. Während der letzten 6 Monate fanden so rund 100 Menschen in verschiedensten Arbeits verhältnissen eine sinnvolle und zugleich interessante Tätigkeit rund um die Ausstellung. Rechnet man die sogenannte Umwegerentabilität hoch, dass jeder Tagesbesucher im Durchschnitt rund 25 Euro, jeder Übernachtungsgast rund 75 Euro am Ausstellungsort ausgibt, dann wurden rund 3 Millionen Euro in Zittauer Hotels, Gaststätten und Geschäften umgesetzt. Das Oberlausitzer Hotelgewerbe schrieb Zahlen wie seit 1997 nicht mehr. | ||||||
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