Zum 300. Geburtstag präsentiert sich der älteste erhaltene städtische Museumsraum im neuen Glanz – in der „Zittauischen Wunderkammer von 1709“ ersteht das älteste Museum der Lausitz von neuem
Öffentliche Ausstellungseröffnung: 05.09.2009, 15:00 Uhr in der Klosterkirche Zittau
Musikalische Umrahmung mit festlicher Barockmusik: gespielt von dem Trompeter Robert Wintzen und dem Organisten Gerd Brandler.
Den Festvortrag hält die Berliner Germanistin Ulrike Wels.
Das als siamesischer Zwilling geborene Kalb schaut mit glänzenden Augen auf Kaiser Matthias II. und im aschfahlen Antlitz des toten Kaisers Maximilian spiegelt sich der Schein des Kronleuchters. Ein Einhorn steht neben einem Kugelfisch. Frisch restaurierte Münzkabinette mit Dutzenden schmaler Schubfächer, ziselierte Messingmedaillons von Reformatoren und Humanisten, chinesische Miniaturschreine und erotische Lochmünzen fügen sich zu einem faszinierenden Panoptikum und Mikrokosmos zusammen. Ein einstmals mit Mechanik drehbares Himmelsmodell präsentierte Sonnen- und Mondfinsternisse, Messinstrumente von großer Präzision und optischer Schönheit erinnern an die Anfänge der Kartografie in Mitteleuropa. Auf den seit Jahrzehnten nie mehr gezeigten Bildnissen sächsischer Kurprinzen prangt der dänische Elefantenorden. Und monströse Folianten entpuppen sich als eigens angefertigte Schränke für antike Gemmenabgüsse.
Die Ordnung für das Sammelsurium geben die Bilder an den Decken vor: vier üppige und bisweilen nur knapp bekleidete Damen symbolisieren lustvoll vier grundlegende Zweige der Wissenschaft. Und in der Mitte des Raumes hält Pandora, die schöne Nackte, eine geheimnisvolle Büchse vor ihrem Schoss. Darin sind die Gaben der Götter gesammelt, die sich rund um Pandora niedergelassen haben. Vor 300 Jahren war nicht das Übel in Pandoras Büchse das Entscheidende, sondern all das Nützliche, was letztlich dem Menschen ermöglicht, das Übel zu bekämpfen. So triumphiert in Zittau eine schöne Pandora inmitten der Wissenschaften mit den Geschenken der Götter.
Wer dieses geistreiche Bildprogramm entwickelt hat und wer all die herrlichen Bücher und geheimnisvollen Gaben schenkte, das wird in der Ausstellung „Weises Geschenk“ mit eindrücklichen Bildnissen, persönlichen Reminiszenzen und den historischen Dokumenten anschaulich erzählt. Der im September 1709 eingeweiht Barocksaal im Zittauer Heffterbau kann als Höhepunkt barocker Raumgestaltung neu erlebt werden – als ein hochrangiges Zeugnis früher europäischer Museumsgeschichte aus bürgerlicher, nicht fürstlicher Wurzel.
Die öffentliche Eröffnung der Jubiläumsausstellung findet am 05.09.2009, 15:00 Uhr in der Zittauer Klosterkirche statt. Es erklingt festliche Barockmusik, gespielt von dem bekannten, aus Zittau stammenden Trompeter Robert Wintzen und dem Organisten Gerd Brandler aus Seifhennersdorf.
Den Festvortrag hält die Berliner Germanistin Ulrike Wels, die sich intensiv mit der Eröffnung des Saales und dem damaligen Festprogramm befasst hat.
Zur Ausstellung erscheint eine umfassende Publikation von 144 Seiten mit über 140 großenteils farbigen Abbildungen.
Ansprechpartner: Arwed Vietze, Mitarbeiter der Städtischen Museen Zittau, Tel. 03583-55479301, a.vietze@zittau.de
Ines Hirt
Pressesprecherin