Der einzige erhaltene städtische Museumsraum des Barock in Mitteleuropa lädt von Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 17:00 Uhr zum Besuch ein.
Öffentliche Führungen jeden Sonnabend, 15:00 Uhr. Nächste Führung am Sonnabend, 5. Dezember, 15:00 Uhr mit Dipl.-Bibliothekar Uwe Kahl.
Sonderführungen unter dem Motto „Schenken und Sammeln“ sind auf Anfrage auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich.
Schenken und Sammeln – das ist ein Motto, das auch gut zur Weihnachtszeit passt! War ursprünglich vorgesehen, dass die große Sonderausstellung „Weises Geschenk“ zur Geschichte und den einzigartigen Beständen der alten Zittauer Ratsbibliothek am Nikolaustag, dem 6. Dezember, ihre Pforten schließt, so wird es nun möglich, die versammelten Schätze noch bis zum 17. Januar 2010 zu bewundern.
Das große Interesse der Besucher sowie das Entgegenkommen der Partner dieser Ausstellung – der Christian-Weise-Bibliothek Zittau, des Senckenberg-Museums für Naturkunde Görlitz und privater Leihgeber – ermöglichen dies. So können nun die kostbaren Folianten und Schriften der Bibliothek, die imposanten Porträts vieler Zittauer, die mit ihren Geschenken die Sammlungen bereicherten und alle überraschenden Raritäten der Wunderkammer auch in den Weihnachtsferien in Ruhe betrachtet und studiert werden – der Schädel des Bürgermeisters Nikolaus von Dornspach, der letzte Luchs aus dem Zittauer Gebirge, das berühmte Doppelporträt Kaiser Maximilians als Lebender und Toter, griechische Münzen, erotische Gemmen, türkische Gebetsbücher, chinesische Altärchen, Himmelsglobus und Armillarsphäre, Taschensonnenuhren und wunderschöne Kabinettschränke. In der Vielfalt der verschiedenen Dinge spiegelt sich der Makrokosmos als barocker Mikrokosmos.
Ein spannendes und bisher verborgenes Kapitel der Zittauer Kulturgeschichte wird in dieser Ausstellung aufgeschlagen. Der vergangene Glanz der Stadt, die einst als die Reiche bekannt war, leuchtet neu auf. Weltläufigkeit und Offenheit, universales Interesse und großes Bildungsstreben werden sichtbar. Doch kommt auch das Vergnügen nicht zu kurz, mit ihren ungewohnten Objekten vom Kalb als siamesischer Zwilling über ein echtes Einhorn bis zum ausgestopften Menschenarm bietet die Schau der ganzen Familie attraktive Entdeckungen – und für Kinder gilt es, einen süßen Schatz zu heben…
Schenken und Sammeln – möchten Sie selber ein „Weises Geschenk“ machen, so empfehlen wir Ihnen das reich illustrierte Begleitbuch zur Ausstellung, das in keiner Zittau-Bibliothek fehlen darf! Es ist zum Preis von 14,80 € im Museum erhältlich.
Ansprechpartner: Dr. Marius Winzeler, Direktor der Städtischen Museen Zittau, Tel. 03583-554790; e-mail: museum@zittau.de
Hintergrund:
Städtische Museen Zittau
Verlängert bis 17. Januar 2010
In Zusammenarbeit mit der Christian Weise Bibliothek Zittau
Zittau besitzt den ältesten städtischen Museumsraum Mitteleuropas, der mit seiner Originalausstattung erhalten ist: Im September 1709 wurde der Barocksaal im Heffterbau des alten Franziskanerklosters mit Theater, Musik und gelehrten Reden feierlich eingeweiht. Der damalige Stadtrat hat damit ein weises Geschenk hinterlassen. Der Saal ist nicht nur seit 300 Jahren ein Höhepunkt barocker Raumgestaltung in der Oberlausitz, sondern auch ein einzigartiges Zeugnis bürgerlicher Sammlungsgeschichte. Mit einem geistreichen Bildprogramm und einer prächtigen Gestaltung wurde ein festlicher Rahmen für die Bücher- und Raritätensammlung der Zittauer Ratsbibliothek geschaffen. Heute gehört der Saal zu den Städtischen Museen Zittau, die zusammen mit der Christian Weise Bibliothek Zittau einen großen Teil der alten Schätze hüten.
Mit der Eröffnung des Bibliothekssaales und der Wunderkammer vor dreihundert Jahren ging ein großer Wunsch von Zittauer Sammlern und Mäzenen in Erfüllung. Zu ihnen zählte auch der Gymnasialrektor und Schriftsteller Christian Weise, der 30 Jahre lang als Bibliothekar wirkte. Allerdings konnte er die Einweihung nicht mehr erleben, da er 1708 starb. So wurde der Saal auch zu seinem Vermächtnis. 14 Jahre bevor in Dresden August der Starke das Grüne Gewölbe als öffentlich zugängliche Schatzkammer eröffnete und zwei Jahre vor der Einweihung des Lese- und Schausaales der Leipziger Ratsbibliothek besaß Zittau einen Ort, an dem gelehrte Bürger, Gymnasiasten und fremde Besucher das versammelte Wissen nutzen und sich eine große Zahl von Raritäten und Kostbarkeiten zeigen lassen konnten.
Zum 300. Geburtstag kehrt diese städtische Kunstkammer an ihren Ursprung zurück. Unter dem Götterhimmel mit der Darstellung der Pandora als Inbegriff der menschlichen Seele, umgeben von Allegorien wissenschaftlicher Disziplinen, breitet sich ein barocker Mikrokosmos aus – mit Raritäten, Kunstwerken und Naturalien sowie Instrumenten zur Vermessung der Welt. Dazu gehören ein großer Himmelsglobus und bronzezeitliche Urnen, ein missgebildetes Kalb und die Darstellung Kaiser Maximilians als Lebender und Toter. Unter dem Motto „Schenken und Sammeln“ wird das barocke Zittauer Raritätenkabinett in ein Panorama der Kultur des 18. Jahrhunderts eingebettet – darin spielen Gelehrsamkeit, Unterhaltung und Repräsentation gleichermaßen wichtige Rollen.
Woher stammten diese Dinge? Wer sammelte Wissen an? Wem sind die prächtigen Handschriften und Folianten aus aller Welt zu verdanken? Wer ließ sich in den Büchern und Bildern verewigen? – Dank der engen Zusammenarbeit der Städtischen Museen mit der Christian Weise Bibliothek wird eine Glanzzeit der Zittauer Kulturgeschichte lebendig. Zu den Büchern gesellen sich die Porträts und Biografien ihrer Schenker. Sie erzählen von der Geschichte der einst wichtigsten Bibliothek der Oberlausitz, die schon 1564 mit einer Säulchensonnenuhr ihre erste Rarität erhalten hatte. Und diese Kostbarkeit steht nun wieder inmitten von geheimnisvollen Gaben, rätselhaften und wunderschönen Dingen – türkischen Handschriften, einem ausgestopften Menschenarm, Götterfiguren und Münzkabinetten. Zusammen bilden sie die „Zittauische Wunderkammer von 1709“. Insgesamt werden über 300 Exponate präsentiert, wovon die meisten seit Jahrzehnten nicht mehr zu sehen waren.
Weitere Führungen, Vorträge und museumspädagogische Aktionen auf Anfrage.
Städtische Museen Zittau –
Kulturhistorisches Museum Franziskanerkloster
Klosterstraße 3
D-02763 Zittau
Tel. 03583-554790, Fax 03583-55479210
E-mail: museum@zittau.de
www.zittau.eu; www.zittauer-fastentuecher.de
Begleitpublikation mit Beiträgen von Daniela Baake, Philine Brandt, Uwe Kahl, Thorsten Pietschmann, Jürgen Prescher, Margitta Radschinski, Ulrich Rosner, Cornelius Stempel, Arwed Vietze, Marius Winzeler
144 Seiten, über 150 zumeist farbigen Abbildungen, 14,80 €.
Zittauer Geschichtsblätter 40
Verlag Gunter Oettel Zittau/Görlitz, ISBN 978-3-938583-50-0
Mit freundlicher Unterstützung der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen Chemnitz, der Kultur- und Weiterbildungsgesellschaft mbH Löbau, des Zittauer Geschichts- und Museumsvereins e.V., des Senckenberg Museums für Naturkunde Görlitz sowie von Renate und Franz Knippenberg in Düsseldorf.
Die Städtischen Museen Zittau werden institutionell vom Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien gefördert.
Ines Hirt
Pressesprecherin