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Zur 2. und zugleich letzten öffentlichen Sitzung für das Jahr 2002 trafen sich am 10.10.2002 die 24 Mitglieder des Internationalen Kinder- und Jugendparlaments „Neiße“ im Zittauer Bürgersaal, dem traditionsreichen Sitzungsraum des Stadtrates. Auf der Tagesordnung standen, neben einem Beschluss zur Änderung der Altersgrenze für die Zugehörigkeit zum Parlament, Berichte über die zurückliegenden Aktivitäten.
Ganz erstaunlich schnell für Beobachter von außen einigten sich die Jugendlichen aus den drei Ländern auf die Anhebung der Altersgrenze von 17 auf 18 Jahre für die Mitgliedschaft im Parlament sowie auf die Möglichkeit der Weiterarbeit als nichtstimmberechtigter Berater des Gremiums bis zum 21. Lebensjahr. In Vorbereitung des Beschlusses hatten die Parlamentarier jedoch während eines dreitägigen Werkstattwochenende heiß um einen Kompromiss in dieser Angelegenheit gerungen.
Die anschließenden Berichte von Joanna, Thomas, Matthias, Monica und Petr über die Parlamentstätigkeit in den zurückliegenden 9 Monaten zeichneten ein buntes Bild von der Vielfalt der Parlamentstätigkeit. In Ideenwerkstätten wurde geträumt und anschließend über das Machbare für die Gestaltung der Euroregion diskutiert. Gemeinsam lernten die Parlamentarier, wie man Öffentlichkeitsarbeit richtig macht, damit einen andere verstehen und auch Lust bekommen, sich intensiver mit den Problemen zu befassen. Das Olbersdorfer Parlamentscamp hat als Gemeinschaftsaktion so gut gefallen, dass es Tradition werden soll.
Den allergrößten Eindruck jedoch hat die gemeinsame Exkursion nach Auschwitz und Krakau hinterlassen. Insbesondere die Reise in ein Stück grausame Vergangenheit beim Besuch von Ausschwitz/Birkenau hat tiefe Emotionalen hervorgerufen. „Nicht der stürmische, eiskalte Wind hat uns zum Frösteln gebracht“, so berichtet Monica aus Bogatynia , „sondern die Gedanken an die furchtbaren Grausamkeiten und Leiden an diesem Ort.“ „Unsere Gemeinschaft im Internationalen Kinderparlament ist eine neue Gegenwart und Zukunft, in der und für die es zu arbeiten lohnt.“
Petr aus Hradek kündigte im Anschluss an diesen Vortrag an, dass auch 2002 eine Parlamentszeitung erscheinen wird, diesmal in Redaktion des deutschen Teils des Parlaments, in der alle Aktivitäten dokumentiert werden sollen.
Anschließend waren alle Jugendlichen gespannt auf die Meinung der Bürgermeister der drei Städte, doch auch von dieser Seite kam viel Lob und Anerkennung. Oberbürgermeister Arndt Voigt würdigte das Jugendparlament als „Schule der Politik“, aus der sicherlich in einigen Jahren gute und engagierte Politiker hervorgehen würden. Er bestätigte nochmals, dass die Stadt Zittau alle Aktivitäten des internationalen Gremiums weiter nach allen Kräften unterstützen wird. Sein tschechischer Amtskollege, Bürgermeister Polacek, sah die grenzüberschreitende Initiative als Bestandteil einer großen europäischen Tradition und wünschte den Jugendlichen auf diesem Weg viel Erfolg und Freude. Auch der polnische Bürgermeister Zbigniew Szatkowski, war nach eigenen Aussagen wieder mit großer Freude der Einladung des Parlaments gefolgt. Anerkennend stellte er fest, dass der kleine Kern, den er mit den Gründungsvätern des Parlaments, Herrn Dr. Löffler und Herrn Polacek, im Jahr 2000 in den Boden gesteckt hat, heut zu einer schönen Frucht herangereift ist. Mittlerweile hätten die Jugendlichen mit ihrem Elan die Stadträte der Städte Zittau, Bogatynia und Hradek angesteckt, so dass auch auf dieser Ebene eine grenzüberschreitende Arbeit zustande gekommen sei.
Mark-Richard, der deutsche Vorsitzende des Parlaments, hatte nach diesen anspornenden Redebeiträgen noch die große Aufgabe, die Tür in die Zukunft „aufzuschließen“. Dies tat er einerseits mit der Vorstellung der drei neuen Ländervorsitzenden, Joanna Radwan-Pytlewski (D, 15 Jahre), Monica Rybizka (PL, 14 Jahre) und Pertr Polacek (CZ, 14 Jahre), und andererseits mit der Übergabe eines symbolischen Schlüssels an Monica aus Bogatynia, denn Polen wird 2003 nach Tschechien und Deutschland wieder Sitzland des Jugendparlaments sein.
Ganz zünftig gab es anschließend ein Glas Sekt, natürlich alkoholfrei, zum gemeinsamen Anstoßen auf die Gemeinschaft und die Zukunft sowie eine Dankeschön-Rose der Stadt Zittau.
Doch für langes Ausruhen auf Lorbeeren oder Rosenblättern bleibt keine Zeit, denn schon am 11.10. startet unter dem Titel „Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft“ ein Graffiti-Workshop des Parlaments auf dem Zittauer Festplatz.
Dr. Volker Beer
Referatsleiter
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