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Die Zittauer Theatergeschichte

Die Liebe der Zittauer zum Theater ist sprichwörtlich. Es gibt viele Berichte aus früherer Zeit, die das Interesse für Theateraufführungen belegen, als an ein festes Theatergebäude noch gar nicht zu denken war. Immer wieder gab und gibt es zahlreiche Bürger unserer Stadt, die sich aus Liebe zum Theater die Köpfe darüber zerbrechen, wie man es anstellen müsse, das Theater zu fördern und zu unterstützen, weil sie es nicht nur als Stätte der Unterhaltung oder Erhebung ansehen, sondern erkennen, dass ein eigenes Theater gerade in einer kleineren Stadt den Mittelpunkt des Kulturlebens darstellt.

Das Alte Stadttheater

Das Alte StadttheaterNachdem über lange Zeit das Bedürfnis der Zittauer nach Theater mit Aufführungen von Wanderbühnen gestillt worden war, taten sich Anfang des 19. Jahrhunderts unter Einfluss der frühen Aufklärung eine Gruppe Bürger zusammen, um der Stadt ein festes Theatergebäude zu bescheren, das 1802 an der Neustadt eröffnet wurde. Die „Zittauischen Wöchentlichen Nachrichten“ vermelden in ihrer Nummer vom 30.10.1802: „Am vergangenen Montage, dem 25.sten Oct. wurde bey einer zahlreichen Anwesenheit fremder und einheymischer Zuschauer in unserem neuerbauten Schauspielhause die erste Vorstellung gegeben. Mit einem allegorischen Vorspiele unter dem Titel: Musen Feier, von Hrn. Ernst Grosmann verfertiget, wurde die Bühne eröffnet, sodann folgte: „Verbrechen aus Ehrsucht“, ein ernsthaftes Familiengemälde von Iffland. - Gewiss verließ jeder diesen Ort des Ernstes und der Freude in der angenehmsten, zufriedensten Stimmung, überrascht durch die Schönheit des Hauses und befriedigt durch die gute Darstellung der aufgeführten Stücke.“
Der erste Besitzer Rosenkranz meldete 1820 Konkurs an, so dass 1822 der spätere Bürgermeister Just zusammen mit einigen Bürgern eingriff und Haus und Ländereien für einen Bruchteil der Baukosten erwarb. Die Theaterräume wurden an gastierende Schauspielergesellschaften verpachtet. 1853 kaufte der Rat der Stadt Zittau das Theater für ein Fünftel des Anschaffungspreises. 1904 wurde das Gebäude gründlich umgebaut. Wandelgänge, Treppenanlagen und Ausgänge (von denen Reste im Grundstück Neustadt 15 noch zu besichtigen sind) wurden erneuert. Auch eine elektrische Bühnenbeleuchtung wurde eingebaut, die 1922 wieder auf den neuesten Stand der Technik gebracht wurde. Anlässlich des 125jährigen Bestehens ist das Theatergebäude noch einmal einer gründlichen Instandsetzung unterzogen worden. Doch allen Sicherheitsvorkehrungen zum Trotz ertönte in der Nacht vom 3. zum 4. März 1932 der Schreckruf: „Das Theater brennt!“

Der TheaterbrandTheaterbrand und Neubau

Es gab nichts mehr zu retten. Das einzige, was die Feuerwehr verhindern konnte, war, dass der Brand auf die Nebengebäude übergriff. Nur ein Teil der Kostüme und Requisiten konnte aus dem seitlichen Anbau geborgen werden. Alles andere - Bühne und Zuschauerraum, Schnürboden und Orchester, Kulissenlager, Logen, Ränge, Galerien – war ein wüster Trümmerhaufen. Immer wieder tauchte die Vermutung auf, dass das Theater einer Brandstiftung zum Opfer gefallen war, dafür fehlen aber bis zum heutigen Tage alle Beweise. Die Trümmer des Theaters schwelten noch, da erschien in einer Sonderausgabe der „Zittauer Morgenzeitung“ schon der Aufruf: „Jetzt gilt zweierlei: Der Direktion und den Mitgliedern des Zittauer Stadttheaters über die nächste schwere Zeit zu helfen, es gilt, - ein neues Theater für Zittau zu schaffen.“ Eine Interimsspielstätte wurde im Saal der Gaststätte „Lindenhof“ geschaffen, das neue Theater fand seinen Platz an der Augustusallee, heute Theaterring. Am 27.09.1936 wurde es, nun unter dem Namen „Grenzlandtheater“, mit Webers „Freischütz“ eröffnet. Am 29.09.1936 folgte die Premiere von Goethes „Egmont“.

Das neue Haus „Grenzlandtheater“

In den Jahren, die zwischen dem Brand des alten Stadttheaters und dem Bau des neuen „Grenzlandtheaters“ lagen, hatte der Faschismus die Macht ergriffen. Der Kreisleiter der Faschistischen NSDAP und der Intendant hatten in einem „Leitwort“ zur Festschrift das Programm des neuen Theaters verkündet, welches übrigens das Programm aller Theater im damaligen Deutschland war: „Ziel sei eine neue künstlerische Blütezeit; es werde nun endlich Schluss gemacht mit dem volksfremden, undeutschen Spielplan und den intellektuellen Experimenten.“ Neben einer Reihe zeitloser Repertoirestücke und neu produzierten tagespolitischen Machwerken bemächtigten sich die Naziideologen vor allem jener Werke der klassischen Weltliteratur (insbesondere der „nordischen“), mit denen sie nach ihrer Meinung „Völkisches Gedankengut“ und „den Nordischen Rassegedanken“ vermitteln zu können glaubten. Bekanntlich missbrauchten sie dazu eine Reihe von Werken des nationalen, klassischen Erbes wie Wagner, Kleist und andere. Lange dauerte die neue Grenzlandtheaterherrlichkeit nicht. Am 31.08.1944 wurde die Zittauer Bühne wie alle Theater im „Reich“ geschlossen. Als eines der ersten Theater in der damaligen sowjetischen Besatzungszone öffnete unser Haus - nun wieder als Stadttheater Zittau - im Juli 1945 seine Pforten.

Vom Stadttheater zum Gerhart-Hauptmann-Theater

Das Gerhart-Hauptmann-TheaterAus Wehrmachtswerkstätte und Flüchtlingsheim wurde wieder ein Theater. „Hier muss viel gutgemacht werden. Unser Theater hat die Aufgabe, das vom Faschismus befreite Volk wieder zu den Quellen echter Kunst zu führen.“ (aus der Festschrift zum 150jährigen Theaterjubiläum von 1952). Auffallend in den ersten Jahren ist die rasche Folge von Premieren, die Leute mussten alle 2 Wochen ins Theater gehen, um alle Stücke sehen zu können.
Im Jahre 1964 kam es zur Zusammenlegung des Stadttheaters in Zittau mit dem Gerhart-Hauptmann-Theater in Görlitz. Ziel war es, die Ensembles zu vergrößern und die künstlerische Qualität zu verbessern. Zittau wurde der Sitz des Schauspielensembles, Görlitz beherbergte Musiktheater und Ballett. Sozialistisches Volkstheater als Hauptlinie des Spielplans bestimmte die Bemühungen der damaligen Theaterleitung. 1988, nachdem die Zusammenarbeit zwischen den Theaterbestandteilen des Gerhart-Hauptmann-Theaters Görlitz/Zittau immer schlechter geworden war, wurde mit Hilfe des Rates des Kreises Zittau und des Rates der Stadt Zittau die Trennung des Theaterkombinates vollzogen. Der damalige Leiter des Hauses, Rüdiger Götze, wurde Intendant des Gerhart-Hauptmann-Theaters Zittau, dessen Existenz in den kommenden Jahren immer wieder bedroht war. So ereignete sich unter der Intendanz von Manfred Haacke, 1991 bis 1995, eine in der Theatergeschichte einmalige Rettungsaktion: Alle Mitarbeiter des Hauses gingen für 2 Jahre freiwillig in ABM. Zittau wurde so das erste ABM-Theater der Bundesrepublik und 1993 eine GmbH.
Nach der Interimsleitung von Dietrich Zimmermann, Jutta Maria Winkler und Andreas Neu wurde Klaus Stephan Intendant des Zittauer Theaters. Trotzdem es ihm gelang, die Zuschauergunst zurückzugewinnen, stand das Theater erneut vor dem Aus. Peter Hesse und Thomas Gampe vom Landratsamt haben besonders große Verdienste am Erhalt des Hauses, das von 2001 bis 2009 von Roland May geleitet wurde. Seit der Spielzeit 2009/2010 ist Carsten Knödler der neue Intendant des Zittauer Gerhart-Hauptmann-Theaters. Mit einem abwechslungsreichen und anspruchsvollen Programm, mit Erfolgskomödien bis zeitgenössischen Stücken, begeistert der Spielplan das wunderbare Zittauer Publikum, das seinem Theater seit nunmehr über 200 Jahren die Treue hält.

Vom Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau zur Gerhart Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau GmbH

Gerhart Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau GmbH heuteSeit Januar 2011 sind die beiden Theater in Görlitz und Zittau in einer gemeinsamen Theatergesellschaft unter dem Namen „Gerhart Hauptmann-Theater“ vereint. Als leistungsfähiges Vierspartenhaus bereichert das Gerhart Hauptmann-Theater den Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien mit Aufführungen der Sparten Musiktheater (Oper, Operette, Musical), Tanz und Schauspiel sowie mit Konzerten der Neuen Lausitzer Philharmonie. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich die Inszenierungen des Sommertheaters auf der Waldbühne Jonsdorf, im Klosterhof Zittau, im Hof der Landskron Brauerei Görlitz sowie auf dem Görlitzer Nikolaifriedhof.
Darüber hinaus engagiert sich das Theater mit mobilen Produktionen und theaterpädagogischen Angeboten u. a. für die kulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen sowie für den interkulturellen Austausch mit den Nachbarländern Polen und Tschechien.

Sommertheater und Waldbühne

Waldbühne JonsdorfWussten Sie eigentlich, dass Zittau schon vor über hundert Jahren ein Sommertheater besaß? Es wurde von dem ersten Restaurateur der Bahnhofswirtschaft namens Rindfleisch im Garten seines Nachbarn, in dem späteren Restaurationsgarten, der „Burg“, errichtet, etwa dort, wo jetzt der Bahnhof der Oybinbahn steht. Als Platz eines zweiten Sommertheaters wird im Theaterjournal von 1852 der „Zestermannsche Garten“ erwähnt, der an der Stelle des Hotels „Reichshof“ bestand. Anfang der 60er Jahre des 19. Jahrhunderts errichtete Karl Zimmermann im Grundstück Frauentorstraße 10 ebenfalls ein Sommertheater. Dort haben in einem gedeckten Raum bis nach dem Krieg 1870/71 in jedem Sommer gute Gesellschaften gespielt.
Seit 90 Jahren bietet das Zittauer Theater eine andere Besonderheit: die Freilichtbühne. Lange vor der Gründung der Waldbühne Jonsdorf war das Waldtheater Oybin neben Thale eine der ersten deutschen Naturbühnen. Erst der Oybiner Erfolg gab das Signal, dass die Naturtheater wie Pilze aus dem Boden schossen. Am Pfingstsonntag 1911 wurde als erste Vorstellung Goethes „Iphigenie auf Tauris“ gespielt. Die Schauspieler waren unter einer künstlerischen Leitung für die Saison verpflichtet, erst 1923 wurde das Waldtheater dem Zittauer Stadttheater fest angegliedert. Es klingt heute unglaublich, dass die Zuschauer zu Tausenden per Bahn von Leipzig, Dresden und noch weiter hergefahren kamen, um sich im Waldtheater, das für die Zuschauer völlig ohne Komfort war, eine Aufführung anzusehen. Durchschnittlich 5000 Zuschauer sahen eine Vorstellung und es wurden fast ausschließlich klassische Stücke gespielt, wie „Wallensteins Lager“, „Wilhelm Tell“, „Sappho“ von Grillparzer und andere. Ein Berliner Kritiker schreibt aus diesem Anlass: „So unwahrscheinlich es klingt – es ist erweislich wahr: ein Publikum von 5000 Köpfen ist hier keine Seltenheit… Von weither kommen sie liegen stundenlang auf der Bahn und sitzen dann mit Andacht bei Hebbel und Kleist. Mit Andacht! Denn der Kitzel, Meisterstücke der Regie zu erleben, kann sie hier nicht gut dazu verführen, die Dichter nebenbei in Kauf zu nehmen…“ Heute spielt das Ensemble des Gerhart-Hauptmann-Theaters alljährlich in den Sommermonaten auf der Waldbühne Jonsdorf. Wenn auch kein vieltausendköpfiges Publikum mehr gleichsam eine Wallfahrt zum Ort des theatralischen Geschehens antritt, hat dieses Theater im Freien fraglos seinen besonderen Reiz für Ausflügler und Urlauber behalten.

Quelle: Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau