Die
Zunft der Fleischer oder, mit dem alten Begriff bezeichnet, Fleischhauer
gehörte neben den Zimmerleuten, Maurern, Tuchmachern und Bäckern
zu den wichtigsten unserer Stadt. Die Anzahl ihrer Meister hielt sich vom
15. bis ins 19. Jahrhundert hinein relativ konstant und pendelte zwischen
28 und 17. Obwohl andere Zünfte den Fleischern zahlenmäßig
weit überlegen waren, gehörten sie jedoch zu den reichsten und
damit auch einflussreichsten innerhalb des Stadtregimes. Ein Ausflug in
die Geschichte soll uns die Bedeutung dieses Handwerks etwas näher
bringen.
Ein erster geschichtlicher Nachweis ihres Bestehens ist ein Befehl Kaiser Karls IX. aus dem Jahr 1361, mit dem er für Zittau zunächst 28 Fleischbänke, d. h. Schlacht- und Verkaufsorte, festlegte. Die ersten bekannten Innungsartikel werden 1584 erwähnt, sie sollen aus Prag, woher man sie erbeten hatte, stammen und wurden für Zittau übernommen. Dies war kein ungewöhnlicher Vorgang in dieser Zeit, die Artikel sind dann allerdings später mehrfach „verbessert“ worden, was heißen soll, dass man sie den jeweilig veränderten ökonomischen Bedingungen angepasst hat. Beispielsweise wurde 1834 das Schlachten „nach der Reihe“ abgeschafft. Der rasante Bevölkerungsanstieg zu Beginn der Industrialisierung in unserer Stadt verlangte auch nach einem kontinuierlich wachsenden Lebensmittelangebot.
Die „Fleischbänke“ befanden sich seit jeher im „Böhmischen
Viertel“, wie der Stadtteil am Böhmischen Tor (Ottokarplatz) bezeichnet
wurde. Ihr erster Standort war am heutigen Albertberg und mündete direkt
in die „Wurstgasse“ (Albertsstraße) ein. Um die Mitte des 16.
Jahrhunderts erhielt die Zunft sogenannte „Fleischkammern“ in einem
Anbau des Rathauses. Nach der verheerenden Zerstörung Zittaus am 23. Juli
1757, der auch das Rathaus zum Opfer fiel, wurden die neuen „Bänke“ in
einer Brandstelle der jetzigen Reichenberger Straße errichtet. Über
Jahrhunderte hinweg hat sie ihren alten Namen „Fleischergasse“ zu
Recht getragen.
Die immerwährenden Auseinandersetzungen zwischen Stadtrat und den Zünften um Rechte und Preise hat seit ihrem Bestehen auch die Fleischer erfasst. Bereits 1534 fanden sich Klagen über zu geringe Schlachtungen, was zwangsläufig zu einem Ansteigen der Fleischpreise führte. Manche „Unredlichkeiten“ kamen ans Licht und wurden bestraft. Noch 1582 weigerte sich die Zunft, eine geeichte Waage zu benutzen. Statt dessen erfolgte der Verkauf „nach der Hand“, doch hat der Zittauer Stadtrat solcherlei „Schätzpreisen“ zum Schutz seiner Bürger bald ein Ende gemacht. Einige der „Bänke“ mussten auch sogenannte „Unschlitt-Zinsen“, eine Art Kirchensteuer entrichten. Unschlitt oder Talg, aus dem Tierfett gewonnen, war bis in das 19. Jahrhundert hinein das wichtigste Ausgangsprodukt zur Herstellung von Kerzen und Seife. Vor allem in den Kirchen war der Bedarf an Altarkerzen besonders hoch.
Zum
Abschluss der Betrachtungen zur Fleischerzunft noch etwas von den sogenannten „Fastnachts
Lustbarkeiten“.
Der „Umzug mit der Großen Bratwurst am 5. März 1726“ jedenfalls
hat einen ewigen Platz in den Zittauer Geschichtsbüchern gefunden,
und hätte es damals schon das GUINNESS-Buch der Rekorde gegeben,
wäre das Ergebnis ganz sicher darin aufgenommen worden. Pescheck
schreibt, dass „die Fleischerpurschen mit einer 625 Ellen und
2 Zoll langen und 22 Steine und 10 Pfund schweren Wurst, die über
drei Stangen geschlagen und mit Laub und Blumen geschmückt ward,
auch mit Musik begleitet aufzogen“. Diese Zahlen entsprechen nach
heutigen Maßen einer Länge von ca. 363 m. Außerdem
waren 8 Gesellen zum Tragen notwendig, denn die ganze Wurst wog 245
kg - also fast 5 Zentner.
Das Ereignis wurde schließlich zur Erinnerung in einem großen Ölgemälde
festgehalten.
Ausführung: Arwed Vietze, Städtische Museen Zittau, Stadtanzeiger vom 06.03.1999