Obwohl im Zittauer Land
bereits seit dem Mittelalter die Herstellung von Keramik eine wichtige
Rolle gespielt hat, gibt es schriftliche Aufzeichnungen dazu erst ab 1563.
Aus genau diesem Jahr stammen die ersten Artikel der Zittauer Töpferinnung.
Für die Zeit davor gibt es aber eine Vielzahl archäologischer
Quellen, die uns heute zeigen, dass unsere Stadt bereits früh ein
blühendes Kommunalwesen entwickelt hat. Möglicherweise sind
die Anfänge der Töpferei sogar noch vor der Gründung Zittaus
zu suchen. Bei Grabungen auf dem Friedhof der Kreuzkirche hat Dr. Gunter
Oettel 1994 eine Töpferei, die aus dem 13. und 14. Jahrhundert stammt,
nachgewiesen und damit als älteste Produktionsstätte bestimmt.
Weitere Werkstätten befanden sich am „Töpferberg“,
dessen Namen sich von daher ableitet. Beim Bau des Hotels „Reichshof“ Ende
des 19. Jahrhunderts (früher Sitz des Rates des Kreises am Haberkornplatz)
fand man bis zur Mitte des Töpferberges hin Krüge, Töpfe
und Ofenkacheln. Schon vorher waren bei Schachtarbeiten in der Bahnhofstraße
Keramikfunde, die auf eine reiche und besonders künstlerische Herstellungspalette
schließen lassen, gemacht worden. Aus gutem Grund befanden sich
auch in Zittau die Töpferwerkstätten wegen der Feuergefahr außerhalb
der Stadtmauer.
Die Zittauer Töpferzunft ist nach Bautzen die zweitälteste
der Oberlausitz. Die Zahl der Mitglieder im 17. bis 19. Jahrhundert schwankte
zwischen 5 und 10 - ein Beleg dafür, dass der Absatz in der Stadt
eher bescheiden verlief. So wachten die Zunft und der Stadtrat besonders
aufmerksam darüber, den Verkauf fremder Ware in Zittau und Umland
einzuschränken. Ihre eigenen Stände hatten die Zittauer Töpfer
am sogenannten „Topfmarkt“, dem heutigen Klosterplatz, an
der Südseite der Klosterkirche. Aus den ursprünglich hölzernen
Buden entstanden später sieben steinerne Verkaufskammern, von denen
wiederum einige danach in Betstuben umgebaut wurden.
Aus den 15 Zunftartikeln,
die sich glücklicherweise erhalten haben, wird ersichtlich, wie streng
die Meister auf Qualität der Ware und den Absatz achteten. So durfte
zum Beispiel die Bezahlung der Gesellen nicht nach Stücklohn erfolgen,
um eine übermäßige und fehlerhafte Produktion einzuschränken.
Außerdem durften die Gesellen nur mit Wissen (und Kontrolle d.A.)
des Meisters Öfen setzen. Nach Sonnenuntergang, an Sonnabenden, Sonntagen
und Feiertagen durfte nicht gebrannt werden. Ein anderer Artikel verbot,
fremde Arbeiten nach Zittau zu bringen und in der Stadt zu veräußern.
Weiterhin durften die eigenen Produkte der Zunft nicht auf die Dörfer
gebracht werden, lediglich für Schlösser und Höfe außerhalb
Zittaus war ein Verkauf erlaubt. Wollte ein Geselle Meister werden, hatte
er als Meisterstück einen Krug und einen Topf von einer Elle Höhe
herzustellen und einen Ofen, selbstverständlich aus selbstgefertigten
Kacheln, zu setzen.
Eine Besonderheit einheimischer Keramikherstellung,
die sogenannte „Zittauer Fayence“, soll allerdings bei dieser
Betrachtung unbeachtet bleiben. Die Städtischen Museen Zittau besitzen
neben dieser Fayence auch andere bedeutende Exponate, die Zeugnis über
künstlerische Fertigkeiten ihrer Töpferzunft ablegen: eine große
Zahl mittelalterlicher Ofenkacheln, dazu Töpfe und Krüge. Zu
betrachten ist außerdem die wunderschöne geschnitzte und bemalte
Lade der Töpferzunft sowie das Handwerkszeichen des Zittauer Töpfermeisters
Johann August Lücke aus dem Jahr 1792.
Ausführung: Arwed Vietze, Städtische Museen Zittau, Stadtanzeiger vom 03.07.1998